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Angedacht

Lieber Johannes,
ich schreibe dir, weil sich dein Geburtstag am 24. Juni zum 2021. Mal jährt. Das hättest du mal nicht gedacht, dass so viele Jahrhunderte lang an dich gedacht wird. Ob dir das recht ist? Da bin ich mir nicht so sicher. Du kommst mir eher wie ein Mensch vor, der lieber im Hintergrund bleibt und anderen den Vortritt lässt. Das hast du ja auch von dir gesagt. Nicht du möchtest wachsen, sondern ein anderer, vor dem du hergesandt bist, der soll wachsen.
Ich bewundere dich, dass du dich so zurücknehmen konntest. Gern möchte ich von dir wissen, ob dir das schwergefallen ist. Du hast deine Aufgabe von Anfang an gekannt: Du solltest den Weg für Jesus vorbereiten. Das hast du auch mit deiner ganzen Kraft getan.
Du hast viele Freunde gehabt. Warst du nicht enttäuscht, als sich viele von ihnen Jesus anschlossen? Das tat bestimmt weh.
Ich bewundere dich, dass du immer sagen konntest: was ich tue, ist längst nicht so bedeutend wie das, was der neben mir leistet.
Du hast dich zurückgenommen. Du warst froh, als der andere da war. Da konntest du dich wieder zurückziehen, denn der andere stand nun im Mittelpunkt.
Aber du hast dich in der Öffentlichkeit auch nicht geduckt. Du wusstest, was du wolltest. Allen hast du deutlich deinen Auftrag gesagt. Wer dich zu sehr bewundert hat, dem hast du unmissverständlich geantwortet: Ich bin nicht der, auf den ihr wartet! Mit falschem Ruhm hast du dich nicht geschmückt. Bewusst hast du dem anderen den Vortritt gelassen.
Und doch hatte Gott etwas Besonderes mit dir vor. Das war schon bei deiner Geburt sichtbar, als dein Vater nicht glauben wollte, dass er in seinem hohen Alter noch einen Sohn bekommen soll. Neun Monate war dein Vater stumm.
Das, was du weitergegeben hast, hast du von Gott empfangen. Dein Verhältnis zu Gott war sehr eng, viel enger als bei mir.
Du hast dir deine Aufgabe nicht selbst gewählt, aber du hast sie bis zum bitteren Ende voll ausgefüllt.
Ich kann es nur immer wieder sagen: ich bewundere dich, wie wenig wichtig du dich genommen hast und ich beneide dich um dein enges Verhältnis zu Gott.
Du musst sehr willensstark gewesen sein, sonst hättest du das, was dir zugemutet wurde, bestimmt nicht auf dich genommen.
Ich frage mich: Wären das Neue Testament und die Kirche und wir Christen heute ohne dich nicht ärmer? Natürlich bist du „nur“ Werkzeug Gottes gewesen, aber das ist im Bereich der Christenheit ein Ehrentitel und keine herabsetzende Bezeichnung, vor Gott erst recht nicht!
Nimm diesen Brief als Sympathieerklärung, als kleinen Ausgleich dafür, dass du oft vernachlässigt worden bist und man dir nicht gerecht geworden ist. Immerhin denken wir jedes Jahr an deinen Geburtstag!

Herzlich grüßt dich Christiane Rau