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Angedacht

Einen Brief an das Coronavirus zu schreiben, ist gar nicht so einfach. Das fängt schon mit der Anrede an. „Liebes Coronavirus“ passt nicht, „Sehr geehrtes“ auch nicht und einfach „Hallo“? Ich weiß nicht, ich nehme

Guten Tag, Coronavirus,

nun kennen wir uns schon über ein Jahr und doch freue ich mich nicht über unsere Bekanntschaft. Wir haben wenig gemeinsam. Du hast meine Welt ganz schön auf den Kopf gestellt. Du hast Streit, Hass, Ärger, Wut und Unver-ständnis zu uns gebracht. Du hast viele von uns infiziert und getötet. Du hast dich in unseren Körpern ausgebreitet und das, obwohl wir dich nicht einmal sehen können.
Und trotzdem, seit du dich eingeschlichen hast in unsere Welt, gibt es jeden Tag nur noch ein Thema: Dich. Dabei bist du nicht wichtig und wir könnten viel besser ohne dich leben. Aber du willst nicht gehen - noch nicht.
Immer noch dürfen wir uns nicht mit Handschlag begrüßen. Immer noch tragen wir in der Öffentlichkeit Masken und erkennen uns kaum. Wir können nicht so einfach durch Geschäfte bummeln, in Museen oder Konzerte gehen. Dazu benötigen wir einen Test, für den müssen wir anstehen und er gilt nur einen Tag.
Harte Worte haben wir gelernt: Beherbergungsverbot, Inzidenzwert, Lockdown, Pandemietreiber.
Du hast uns auseinandergetrieben. Keine Kindergeburtstage, keine Hochzeiten, keine Reisen. Singen, Tanzen, Umarmen, alles geht nicht. Wir sind erschöpft. Wir wissen zwar, wie du wirkst und dachten im letzten Sommer, bald ist alles geschafft. Dann kam der Herbst und mit ihm die zweite Welle, jetzt kommt die dritte. Du bist ansteckend. Du hast Menschen dazu gebracht, den größten Unsinn zu glauben. Zum Glück folgt eine große Mehrheit der Vernunft.
Wir sind geduldig geblieben, haben Anweisungen und Hygieneregeln befolgt, haben versucht zu verstehen, dass wir nicht in Krankenhäuser und Pflegeheime zu unseren Lieben dürfen. Aber jetzt kommen wir nicht mehr mit. Mallorca ja, Ostsee nein? Wer soll das verstehen? Wir fangen an zu verzweifeln.
Doch Menschen sind schlau und lernen. Wir haben Impfstoffe entwickelt. Wir brauchen dich nicht und wir werden dich vertreiben, weil wir gemeinsam stark sind und Gott an unserer Seite haben, der das Gute will.
Wir geben den Menschen Zeiten zur Klage und Räume für Hoffnung. Wir beten für die, die unter dir leiden, wir lassen dir nicht das letzte Wort und Gott lässt dir erst recht nicht das letzte Wort.
Das hat er uns Ostern erst gezeigt: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Gott öffnet uns neue Räume. Daran glauben wir, darauf vertrauen wir. Irgendwann redet keiner mehr über dich. Aber über Gott reden wir weiter!

Mit freundlichen Grüßen, Christiane Rau